AUF EIN WORT MIT CLEMENS WESTREICHER

 

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Familienunternehmen beratend begleiten?

Ich stamme aus einer Familie, die seit vier Generationen Gastgeber ist. Ich bin sozusagen in einer Familie mit Hotel aufgewachsen. Manchmal denke ich, ob es nicht eher umgekehrt war, also dass ich in einem Hotel aufgewachsen bin, das auch eine Familie hatte. Wie ich heute weiß, ist diese Situation typisch für Unternehmerfamilien bzw. Familienunternehmen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in den von mir begleiteten Familien das Bewusstsein für diese Verwobenheit von Familie und Unternehmen schaffen kann. Dies trägt dazu bei, dass sich die Atmosphäre sowohl in der Familie als auch im Unternehmen verbessert. Und eine gute familiäre Atmosphäre ist die wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Familienunternehmen.

 

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie bei der Unternehmensnachfolge in Ihrer Familie geprägt?

Die Nachfolge in unseren Betrieben war für alle sehr anspruchsvoll, sowohl in der Familie als auch im Hotel. Im Nachhinein und aufgrund meiner Begleitung von anderen Familien in dieser Frage erscheint mir eines zentral: Als persönlich Beteiligter ist man zu stark betroffen, als dass man den Prozess der Nachfolge alleine steuern und gestalten kann. Die Unterstützung durch einen Familienexternen hilft ungemein, um die Unternehmensnachfolge erfolgreich zu sichern. Ein externer Berater behält den Blick auf das Ganze und schafft Transparenz. Allein seine Anwesenheit stellt in der Regel die Weichen für eine lösungsorientierte Gesprächskultur.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Tourismusbranche? Welche Lösungsansätze sind denkbar?

Ich sehe zwei wesentliche Herausforderungen, die uns die nächsten Jahre fordern werden. Der Tourismus konzentriert sich auf einige wenige Destinationen. In den meisten Regionen hingegen sinkt sowohl die Anzahl an Betten als auch die Anzahl an Übernachtungen. Für einige Regionen stellt sich die Frage nach gangbaren Alternativen zum Tourismus. Hier sind ganzheitliche Lösungen im Rahmen der Standortpolitik zu entwickeln. Auf betrieblicher Ebene sehe ich, dass zum Teil zu wenig Geld erwirtschafte wird, um zu investieren (siehe auch Branchenanalyse). Investitionen und Innovationen sind jedoch erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen. Hier sind einerseits Maßnahmen zu entwickeln, welche die Ertragskraft steigern und die Investitionskosten senken. Ich denke da an klare Positionierung der Betriebe und zwischenbetriebliche Kooperationen sowie eine Vereinfachung der Bauvorschriften. Andererseits gilt es, die Rahmenbedingungen so weiterzuentwickeln, dass der Strukturwandel in geordneten Bahnen erfolgen kann. Letztlich geht es um die Frage nach der bestmöglichen Nutzung der Immobilie, um für die Familie, das Hotel und die Standortgemeinde eine attraktive Lösung zu finden.

Clemens Westreicher kennt den Tourismus als Hotelier, als Manager und als Berater

Clemens Westreicher

 

Clemens Westreicher

  • Jahrgang 1968
  • Arbeitssprachen: Deutsch und Englisch
  • Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus- und Freizeitwirtschaft an der WU Wirtschaftsuniversität Wien und der UCF University of Central Florida
  • Gerichtssachverständiger für die Hotellerie und die Gastronomie
  • Zertifizierter Berater für KMU Transfers
  • Diverse Weiterbildungen wie z.B. im Change Management
  • Geschäftsführer des elterlichen ****Hotel Furgler in Serfaus bis zur erfolgreichen Nachfolgelösung innerhalb der Familie
  • Berater von KMUs bei GFB & Partner Unternehmensberatung in Zell am See
  • Finanzanalyst und Mitglied des Kaders im Corporate Development der Winterthur Versicherungen am Hauptsitz in Winterthur
  • Berater und Projektleiter für kleine und mittlere Unternehmen sowie für öffentliche und gemischtwirtschaftliche Institutionen bei BHP – Hanser und Partner in Zürich
  • Leiter der Vamed Vitality World, Betreiberin von acht Thermen- und Gesundheitsresorts (z.B. Aqua Dome, St. Martins Therme), mit Sitz in Wien
  • Seit 2010 Begleiter von familiengeführten Ferienhotels im Alpenraum zu Fragestellungen in der strategischen Unternehmensentwicklung und in der Nachfolge